Kabelanbieter - eine Konkurrez für DSL Anbieter?

Kabelnetzbetreiber stoßen immer weiter in den Bereich der DSL Internet Anschlüsse vor und werden langsam zu einer ernst zu nehmenden Konkurrenz. Welcher Grund steckt dahinter?

Bis vor einigen Jahren beschränkten sich die Betreiber von Kabelnetzen noch auf den Bereich des analogen Radios und Fernsehens und waren somit keine wirkliche Konkurrenz für die eingesessenen Internet Service Provider. Das hat sich allerdings radikal geändert, denn in Zeiten erhöhten Wettbewerbs muss jeder sein Spektrum erweitern und nun drängen auch sie auf den Markt der Hochgeschwindigkeitsübertragung mit DSL Breitband Technik.

Wieso diese Entwicklung mag sich der eine oder andere zu Recht fragen. Wenn wir ein wenig in der Geschichte zurückgehen, fällt die Antwort allerdings schnell ins Auge. Genau genommen existieren die Kabelnetze seit über 3 Jahrzehnten, setzt man die Geburtsstunde mit dem ersten Testlauf der Deutschen Bundespost Anfang der 70er gleich. Selbst wenn man sie erst auf die flächendeckende Vernetzung oder die Übernahme des Netzes durch Kabel Deutschlands als Zweig der Deutschen Telekom AG 1989 legt, so sind das immer noch annähernd 20 Jahre. So weit so gut, nur bringt uns diese Tatsache allein der Antwort noch kein Stück näher. Wir müssen deshalb tiefer in die Materie gehen.

Der Grundstein war also gelegt, doch die zu Beginn aufgestellte Rechnung von Kabel Deutschland ging leider nicht ganz auf. 1999 musste sich der neue Mutterkonzern aufgrund diverser Probleme von einem Teil seiner Erwerbung trennen. Kartellrechtliche Schwierigkeiten und die zu diesem Zeitpunkt schon relativ rückständigen Technik zwangen die Telekom das Kabelnetz in kleinen Stücken zu verkaufen. Diesbezügliche Gewinneinbußen und folgende Rückschläge, wie die gescheiterte Übernahme von Kabel Baden-Württemberg, trugen dazu bei, diesen Zweig des Unternehmens auf dem Medienparkett weit ins Hintertreffen geraten zu lassen. Um nun wieder zu unserer Ausgangsfrage zurückzukehren, sollten wir bei all diesen Fakten zusätzlich bedenken, dass die Telekom einer der erfolgreichsten Medienkonzerne, T-Online der meistfrequentierte Internet Provider und Kabel Deutschland der größte Kabelnetzanbieter Deutschlands ist. Und genau darin liegt die Antwort. Wer sich über so lange Zeit etablieren kann, der muss zukunftsorientiert denken und keine Gelegenheit auslassen, sich zu vergrößern. Man kann die Orientierung in Richtung DSL somit guten Gewissens als logische Konsequenz verstehen – und das gilt nicht nur für die Telekom, sondern für alle Kabelnetzbetreiber.

Der Schritt von einem angeschlagenen Geschäftszweig hin zu einem vielversprechenden Weg in die Zukunft

Ausgangspunkt der aktuellen Situation waren, wie bereits erwähnt, also eine veraltete Technik und der starke Wille damit dennoch Kapital zu erwirtschaften. Werfen wir einen Blick darauf, wie es nach – wenn man so will – Niedergang des Kabelnetzes weiterging. Man musste dieses Gebiet zunächst einmal praktisch völlig neu strukturieren, um überhaupt eine Chance auf späteren Gewinn zu haben. Detailliert bedeutete dies, dass es nicht mehr genügte nur Fernsehen über das Kabel zu schicken – zumal auch die stetig wachsende Konkurrenz und gewisse Beschränkungen den Bedarf einer zusätzlichen Einsatzmöglichkeit drastisch erhöhten. Die angesprochenen Beschränkungen waren insofern besonders problematisch als dass sie den Ausbau des Netzes oft stark behinderten und so ein technisches Vorankommen großteils blockierten. Um das zu verstehen, sollten wir allerdings etwas genauer auf den Aufbau dieses Systems eingehen, bevor wir fortfahren, denn der Zusammenhang wird erst bei näherer Betrachtung sichtbar. Es besteht nicht – wie oft fälschlicherweise angenommen - aus einem einzigen großen Stück, sondern teilt sich in vier Sparten auf: Die produzierenden Studios selbst, die Sende- und Empfangsstellen, das Verteilernetz und die endgültige Verteilung der Signale an die Endverbraucher. Letzter Bereich stellte nun ein nicht unerhebliches Problem dar, weil er sich in einige tausend Kleinanbieter aufspaltete und das noch bis heute tut. Mit dieser enormen Menge an Einzelgruppen mussten nun die wenigen Großfirmen wie Kabel Deutschland eine Einigung erzielen. Ein heikles Unterfangen.

Probleme wurden überwunden, die Weichen waren gestellt, auf welche Weise sollte nun der neue Markt erobert werden und wie sieht die aktuelle Situation aus?

Es gelang zwar überwiegend einen gemeinsamen Nenner zu finden und das Netz wurde beziehungsweise wird stetig weiter ausgebaut, doch war die Idee weitere Alternativen mit einzubeziehen, deswegen kein Stück weniger attraktiv geworden. Man stand also an der Schwelle zu einer neuen Entwicklung - und der Schlüssel hieß dreifache Abdeckung des Marktes. Neben dem Fernsehen sollten, dank der Aufrüstung des ehemals nur in eine Richtung laufenden Datenstroms durch einen sogenannten Rückkanal, potenzielle Kunden fortan auch DSL Highspeed Internet und VoIP Telefonie über die Leitungen beziehen können. Im Rahmen einer gleichzeitig stattfindenden Erweiterung der Kanäle und des Frequenzbereichs wurde so eine mehr als zufriedenstellende Basis für alle weiteren Schritte geschaffen.

So weit zu den getroffenen Vorbereitungen, Plänen und Erwartungen, wie sehen die Fakten aus? Aktuell können die Betreiber annähernd 14 Millionen DSL Verbindungen und Telefonanschlüsse sowie über 1 Million Kunden, die Pay-TV wahrnehmen, verzeichnen – Tendenz steigend. Einziges Manko im Gegensatz zu klassischen Internet Service Providern war bisher nur die zwangsläufige Integration der Online- und Telefonprodukte in das Basisangebot Kabelfernsehen. Wer seinen Wohnsitz in einem noch unerschlossenen Gebiet hatte oder seine Sender über einen Satelliten empfing, war bislang schlicht ausgeschlossen. Dies trifft jedoch nicht mehr zu, denn alle drei Komponenten lassen sich seit kurzem separat bestellen. Auch die Kosten für Grundgebühren sind in Folge von Tarifsenkungen auf ein erschwingliches Maß gesunken.

Stellen Kabelnetzbetreiber tatsächlich eine Konkurrenz im Bereich der DSL Anschlüsse dar oder stehen sie im Schatten bereits etablierter Internet Service Provider?

Kabelnetzbetreiber sind der gängigen Meinung nach in jedem Fall zu einer ernsthaften Konkurrenz für bereits bestehende DSL Anbieter geworden. Sicherlich eine gewagte Behauptung, die sich aber schnell beweisen lässt. Dazu muss man nur einen groben Blick auf selbige Quereinsteiger und ihre Tarife werfen. Um nicht zu sehr abzuschweifen, beschränken wir uns dabei allerdings nur auf die drei derzeit Größten:

kabel-deutschland angeboteBei Kabel Deutschland ist das Classic Paket mit Telefonverbindung, DSL Anschluss und dazugehöriger Flatrate schon ab 19,90 Euro monatlich erhältlich. Allerdings muss man bei lediglich 512 Kbit / Sec. in punkto Surfen auch ein wenig Geduld aufbringen. Für 29,90 Euro pro Monat erhält man das Comfort Paket, das einen DSL Anschluss, Telefonanschluss, Online Flatrate und eine auf ein Jahr beschränkte Telefon Flatrate beinhaltet und bereits eine ordentliche Geschwindigkeit von 6 Mbit / Sec. Zustande bringt. Wer weitere 10 Euro investiert, kann sich in Verbindung mit dem Deluxe Paket über gleiche Konditionen bei wesentlich höherer Bandbreite im Highspeed, nämlich 16 Mbit / Sec., freuen. Momentan steht Kabel Deutschland ganz vorne in der Reihe der Kabelnetzbetreiber, die sich der DSL Offensive verschrieben haben, doch auch die Mitbewerber auf den Thron schlafen nicht. Interessanterweise handelt es sich dabei genau um die beiden Firmen, deren Übernahme durch die Telekom im Jahr 2004 an Monopolbestimmen gescheitert war.

kabelbwKabel Baden-Württemberg beispielsweise bietet für 29,90 Euro im Monat den CleverKabel 10 Tarif an, der mit einer Geschwindigkeit von bis zu 10 Mbit / Sec. aufwartet und sich aus einer DSL Leitung, einem Telefonanschluss, einer Internet- sowie Telefon Flatrate zusammensetzt und vorwiegend schon etwas erfahrenere User ansprechen soll. Das CleverKabel 4 Paket, das über eine Geschwindigkeit von immerhin bis zu 4 Mbit/ Sec. verfügt, dagegen richtet sich in erster Linie an Neueinsteiger und schlägt mit 19,90 Euro monatlicher Grundgebühr zu Buche. Abgerundet wird die Palette dann in Form von CleverKabel 25, das zusätzlich ein Pay-TV-Angebot beinhaltet und 49,90 Euro pro Monat kostet.

unitymediaDer dritte im Bunde, der an dieser Stelle noch erwähnt werden sollte, ist schließlich Unitymedia. Hier wird dem Kunden das Paket Unity3Play geboten, das in drei unterschiedlichen Geschwindigkeiten (2 Mbit / Sec., 6 Mbit / Sec. oder 16 Mbit / Sec.) zu einem Preis zwischen 25 Euro und 35 Euro im Monat bestellt werden kann. Es besteht aus einer Telefonverbindung, einem Highspeed Internet Anschluss und einer Doppel-Flatrate für Internet und Festnetzgespräche. Hier ist im Gegensatz zu dem ebenfalls umfangreich gestalteten Unity2Play Tarif, der sonst die gleichen Konditionen hat, das Kabelfernsehen bereits enthalten.
Wie man an dieser groben Übersicht unschwer erkennen kann, sind die Unterschiede zu anderen Providern wie T-Online, Arcor oder Lycos nicht sehr ausgeprägt. Kabelnetzbetreiber sind somit durchaus eine Konkurrenz mit der man rechnen muss, heute und in Zukunft.

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Kategorie: Allgemein, DSL-Alternativen | Datum: 22. August 2007
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